Hilfe, ich werde alt!

Mit Mitte zwanzig ist man in dem Alter, in dem man von Jugendlichen mit Sie angesprochen und manchmal auch schon für ziemlich alt gehalten wird. Von Menschen im Alter unserer Eltern und drum herum, dürfen wir uns wiederum anhören, dass wir sind ja auch noch so jung sind und noch so viel vor Zeit vor uns haben und noch so viel machen und erleben können.
Kurz um, wir passen in keine der beiden Gruppen, wenn man denn überhaupt in Gruppen denken und einteilen möchte. Es heißt ja nicht umsonst, dass man so alt ist wie man sich fühlt. Zugegeben, dieses Gefühl schwankt manchmal täglich von einem zum anderen. Je nach dem wie der Tag startet, verläuft und/ oder endet. Manchmal sind es auch die kleinen Dinge, die einen Jung oder Alt fühlen lassen. Zum Beispiel dann, wenn man etwas machen kann, was man in der Kindheit total geliebt hat,  denn dann fühlt man sich oft wieder ganz jung. Manchmal kommt dann natürlich auch schnell das gegenteilige Gefühl, nämlich dann wenn man merkt wie viele Jahre seit der Zeit vergangen sind.  Es gibt natürlich noch viele andere Situationen die ähnlich sind. Erst heute bin ich wieder auf eine Situation getroffen, in der ich mich alt gefühlt habe.

Nach der Uni ging ich nochmal kurz in den Supermarkt, um noch ein paar Lebensmittel einzukaufen. An der Kasse machte ich den Kassierer darauf aufmerksam, dass ich gerne mit Karte zahlen möchte.Wie gewohnt wollte ich meine Geldkarte benutzen, so wie man eine Geld karte eben benutzt. Plötzlich allerdings machte mich der noch noch sehr junge Kassierer darauf aufmerksam, dass ich die Karte einfach nur „ranhalten muss. Ich verstand zunächst nicht so ganz und fragte deshalb etwas zaghaft: „Auf das Display?“, der freundliche Kassierer antworte darauf mit einem „Ja“, nahm meine Karte und legte sie auf das Display. Möglicherweise hatte man mir meine Verblüffung angesehen, denn kurz darauf warf der Kassierer noch hinterher: „Das kann man mit der Karte machen, die hat WLAN.“ Weiterhin verblüfft brauchte ich einen kurzen Moment um die Situation richtig zu verstehen. Ich hatte mich ehrlich gesagt mit dieser Funktion noch nicht auseinandergesetzt und eigentlich auch noch nie etwas davon gehört. Ich fragte den Kassier also noch woran er das so schnell erkannt hat. „Da ist ein Zeichen drauf.“ War seine knappe, aber für mich denoch ausreichende Antwort. Mit einem „Ahhh und Tschüss“ verlies ich dann – immer noch etwas verblüfft  – den Supermarkt.

Nachdem ich realisiert hatte, was passiert war fühlte ich mich schlagartig älter. Zum einen wurde mir bewusst, dass ich keinen Pin angeben musste, zu mindestens erinnerte ich mich nicht daran es getan zu haben. „Das kann doch nicht sicher sein, oder? Was ist, wenn jemand meine Karte klaut, der kann die dann einfach so benutzen?“ fragte ich mich. Zum anderen war ich von dieser technischen Neuheit (So wirkte sie für mich) ziemlich überrumpelt. Wenn man gerade jetzt Mitte zwanzig ist, hat man das Glück sowohl eine Analoge, also auch eine digitale Kindheit und Jugend erlebt zu haben. Da ich also mit diesem technischen Kram aufgewachsen bin, war es wirklich ein komisches Gefühl die neue Sache so zu betrachten, wie es sonst bei solchen Dingen nur meine z.B. Mutter oder Oma tut. Das ist absolut nicht wertend oder böse gemeint, doch sie sind da einfach nicht so reingewachsen. Am Ende des Gedanken musste ich dann etwas schmunzeln. Es ist wohl einfach so, dass ich in einem weiteren Punkt erwachsen geworden bin. Ich freue mich nicht einfach wie früher über neue technische Neuheiten, sondern hinterfrage sie auch kritisch. Außerdem ist es auch mal lustig, wenn man in der heutigen Zeit, wo ja gefühlt schon alles möglich ist, noch überrascht werden kann.

Wichtig ist, dass man solche Situationen mit Humor nimmt. Das Alter ist eine Zahl, mit der man sich nicht zu sehr identifizieren sollte. Nicht jede Tat und jedes Verhalten mit dem Alter rechtfertigen oder auf Grund dessen hinterfragen.

Hast auch du ähnliche Erfahrungen gemacht? Erzähl mir davon!

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16 comments

    1. Vielen Dank, dass du deine Gedanken mit mir geteilt hast. Ich wurde mal gefragt, ob ich „Angestellte“ bin. Das war wirklich komisch, weil die doch eigentlich ihre Kollegen kennen sollten. Habs natürlich mit Humor genommen.

      Liebe Grüße,
      Verena

    1. Erstmal vielen Dank, dass du deine Gedanken mit mir geteilt hast. Und dann wow, du bist schon 30? Du siehst so wahnsinnig jung aus. Aber das Alter hat zum Glück auch nicht immer was zu sagen. Es ist oft viel mehr eine Zahl, die angibt, wie lange wir auf dieser Welt sind. Meine Lieblingscousine beispielsweise wird bald 40 und oft merkt man zwischen uns alterstechnisch kaum einen Unterschied, wir könnten beide oft noch mit Anfang 20 durchgehen. Bei den Pflichten des Lebens bin ich streng mit mir und ganz die erwachsene Frau, mit Freundinnen und meinem Freund fühle ich mich aber auch gerne wieder „jung“ natürlich auch da in Maßen nicht wie ne durchgeknallte 16 Jährige.

      Liebe Grüße,
      Verena

    1. Liebe Kathi,
      danke für deine Gedanken. Ich bin da auch total entspannt. Mein Beitrag wirkt vermutlich auch ernster als er sollte. Er sollte viel mehr amüsant rüber kommen, denn ich fühle mich jung, wenn ich kann, bin aber auch ganz die erwachsene Frau, wenn es von mir verlangt ist.

      Liebe Grüße,
      Verena

  1. Liebe Verena,

    ich kenne die einen oder anderen Gedanken auch seeehr gut und musste während dem Lesen immer wieder schmunzeln:-)
    „Schmunzeln “ das Wort ist vermutlich auch schon total oldschool😂 Aber was solls! Hey ich bin eine 90er (junge/ alte…whatever :-)) Frau und während im Radio neuer Hip Hop-Dance dröhnt höre ich noch Missy Elliot und Craig David und gewöhne mich ebenso an die WLAN Bankcard😁
    LG aus den 90er 😉 Ciao, Serena

    1. Hey Serena,
      unsere Namen sind sich sehr ähnlich. Vielen Dank für deine Gedanken. Wenn du „schmunzeln“ konntest, habe ich ja alles richtig gemacht, genau das wollte ich auch erreichen. Ich finde es wichtig über sich lachen zu können.
      Ich habe früher oft über so manche Wörter gelacht, die meine Eltern oder Großeltern verwendet haben und nun nutze ich wahrscheinlich selbst welche. Ich bin gerne ein 90er Kind und möchte gar nicht später geboren sein. (Da sind sie wieder die Paralellen zu meinen Eltern, die wollen auch nicht in einem anderen Jahrzehnt geboren sein) Die WLAN-Karte gibt mir zwar manchmal noch zu denken, aber ich denke ich denke daran gewöhne ich mich noch. 😀
      Liebe Grüße aus den 90ern zu den 90ern,
      Verena

    1. Liebe Larissa,
      das beruhigt mich etwas. Gewisse Dinge sind in der jetzigen Jungend erschreckend anders, andere Dinge sind erstaunlicherweise noch unverändert. Es verwundert mich immer wieder.

      Liebe Grüße,
      Verena

    1. Liebe Kati,
      wow, du wirst mit 36 immernoch nach dem Ausweis gefragt? Dann du bist du ja richtig jung geblieben, das hat doch auch was. 🙂 Als Frau kann man das ja schon als Kompliment nehmen auch wenn es natürlich sehr jung eingeschätzt ist.

      Viele Grüße,
      Verena

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