Endstation im Studium? – Studiumsabbruch und die Angst versagt zu haben

In vielen Städten hat das Semester bereits wieder begonnen, in anderen Städten beginnt es in diesen Tagen. Für die alt eingesessenen Studenten geht das Studium weiter, für die Erstsemester beginnt ein neuer, sehr aufregender Abschnitt in ihrem Leben.
Wer ein Studium beginnt merkt oft schnell, dass das Studium so ganz anders ist als Schule. Zu viel Stress, unschaffbare Prüfungen und andere Vorstellungen vom Studium sind deshalb oft Gründe, warum sich Studenten für einen Studienabbruch entscheiden. Nicht selten bleibt dann das Gefühl des Versagens zurück und die Frage: „Was jetzt?“
Auch ich gehöre zu diesen „Abbrechern“ und habe ein Studium begonnen und wieder abgebrochen.

Ist der Abbruch von einem Studium wirklich so schlimm? Was sind aus meiner Sicht Alternativen? Über das und Weiteres möchte ich in diesem Blog-Post schreiben.

(Selbst-)Studium – Wer studieren will ist für seinen Erfolg selbst verantwortlich
Ein Studium braucht viel Selbstdisziplin und einen langen Atem, denn man muss stressige Wochen oder sogar Monate in Kauf nehmen. Im Semester müssen Vorlesungen vor- und nachbereitet werden, Referate vorbereitet werden und spätestens zum Ende des Semesters muss für die Klausuren gelernt werden. Auch in der Vorlesungsfreien Zeit haben viele Studenten keine Ruhe. In vielen Studiengängen ist normal, dass die Klausuren auch fernab vom Semester und den Vorlesungen stattfinden. Zusätzlich warten oft auch noch Hausarbeiten, auf die ohnehin schon gestressten Studenten. Wer neben dem Studium noch arbeiten muss, hat nahezu gar keine freie Minute mehr.

Bedeutet ein Studiumsabbruch man hat versagt?
Oft bleibt bei einem Studiumsabbruch das Gefühl des Versagens zurück. Doch ist dieses Gefühl begründet?
Auch ich habe mich aus verschiedenen Gründen nach 2 Semestern für einen Studiumsabbruch entschieden. Zum einen habe ich mir das Studium anders vergestellt zum Anderen wurden die Lerninhalte so schnell vermittelt, dass ich einfach nicht mitgekommen bin. Mein Studium hätte sich also in jedem Fall verlängert und ich wollte nicht das Risiko eingehen, dass ich das Studium möglicherweise gar nicht schaffe und dann im schlimmsten Fall 4-5 Jahre umsonst studiert habe.
Die Entscheidung fiel mir zunächst nicht einfach, dass auch ich das Gefühl verspürte, dass es nun versagt habe. Ich habe mich dann aber erstaunlicherweise sehr schnell entschieden.

Rückblickend sehe ich die Entscheidung als die einzig richtige an und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich versagt habe. Viel mehr sehe ich es jetzt so, dass ich frühzeitig die Notbremse gezogen habe und dem Risiko entgangen bin, das am Ende alles umsonst war. Natürlich wäre es auch möglich gewesen, dass ich das Studium geschafft hätte. Das Risiko war mir aber einfach zu gross.

Studiumsabbruch und was dann?
Noch bevor ich das Studium abgebrochen habe, habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was ich stattdessen machen möchte.
Vor dem Studium hatte ich bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen und hätte mich eigentlich damit zufrieden geben können. Jedoch war bei mir weiterhin der Wunsch nach einer weiteren Weiterbildung da und so ich entschied mich für ein anderes Studium.

Welchen Ratschlag kann ich Studenten geben, die ihr Studium vorzeitig beenden möchten?
Als Alternativen für jeden, der mit dem Gedanken spielt sein Studium vorzeitig zu beenden, sehe ich also die folgenden Möglichkeiten:

Eine Berufsausbildung beginnen
Natürlich besteht die Möglichkeit, mit einem Studium später ein höheres Einkommen zu erreichen, aber auch mit der richtigen Berufsausbildung, kann man ein gutes Einkommen erreichen. Außerdem kann man nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung immer noch den Schritt für eine Weiterbildung, wie ein Studium oder einen Meisterlehrgang, wagen.
Ich kann eine Berufsausbildung außerdem jedem ans Herz legen der praktisch veranlagt ist. Die Lerninhalte werden dabei im Betrieb praktisch und in der Schule zusätzlich theoretisch vermittelt.

Ein anderes Studium beginnen
Wenn man in seinem Studium nicht voran kommt, weil die Prüfungen zu schwer sind oder das Studium einfach nichts für einen ist, man aber dennoch an dem Traum eines Studiums festhalten möchte, sollte man vielleicht mit dem Gedanken spielen ein anderes Studium zu beginnen. Dafür kann man z.B. ein Schnupperstudium machen oder eine Studiums Beratung aufzusuchen. An manchen Unis ist es auch möglich sich eine Vorlesung in einem anderen Studium anzuschauen.

Eine Auszeit nehmen und etwas ganz anderes machen
Für den Fall, dass man absolut nicht weiß was man machen möchte, kann man sich auch eine Auszeit nehmen und etwas ganz anderes machen.
=> Einen Job suchen, der auch ohne Ausbildung möglich ist. Wenn man wie ich bereits eine Berufsausbildung gemacht hat, zunächst in diesem Job weiterarbeiten. So kann man etwas Geld verdienen und sich in Ruhe Gedanken für die Zukunft machen.
=> Ins Ausland gehen für ein Sprachaufenthalt, Work and Travel oder ein Au Pair-Jahr. So kann man seine Englischkenntnisse verbessern und gleichzeitig etwas von der Welt sehen.
=> Ein Praktikum machen, um ggf. die Interessen herauszufinden. Denn oft weichen die Vorstellungen von einem Job von der Realität ab.

Abschließend möchte ich sagen, dass niemand versagt hat, der sein Glück im Studium nicht gefunden hat. Zum einen ist ein Studium sehr theoretisch aufgebaut, es wird oft viel Vorwissen zu einem Thema verlangt und das Tempo, in dem die Dozenten oft voranschreiten, ist auch nicht zu unterschätzen. Manchmal liegt es einfach an dem Fach, mit dem man nicht zurechtkommt, manchmal ist es die Art und Weise, wie ein Studium aufgebaut ist. In jedem Fall, sollte man sich nie unter Druck setzen und setzen lassen. Jeder ist seines Glückes Schmied, aber jeder bestimmt für sich, in welchem Tempo und wie er dort hingelangt. Also niemals den Kopf hängen lassen und den Mut verlieren.

Ich hoffe, ich konnte auch mit diesem Blog-Post ein paar Tipps geben.

Habt auch ihr bereits ein Studium abgebrochen oder spielt mit dem Gedanken es zutun? Wie habt ihr euch danach entschieden? Wie denkt ihr generell darüber ein Studium nicht abzuschliessen? Schreibt mir gerne einen Kommentar über eure Gedanken. Ich würde mich sehr freuen.

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6 comments

    1. Dankeschön für deinen lieben Kommentar. Ich finde es rückblickend gesehen auch nicht schlimm – ganz im Gegenteil. Liebe Grüße Verena ❤️

  1. Sehr interessante Gedanken! 🙂 Ich habe mein Studium zwar nicht abgebrochen, aber ich habe mich danach gegen den Beruf entschieden und in den Augen von vielen „das Studium nicht genutzt“. Ich habe mich lange damit beschäftigt und bin zu dem Schluss gekommen, dass man ja dennoch was gelernt hat – für sich persönlich. Und das es eine Phase im Leben war, welche mich bereichert hat.

    Liebe Grüße
    Svenja

    1. Danke, dass du deine Erfahrungen mit mir geteilt hast. Du hast vollkommen recht damit, dass auch solche Dinge im Leben eine Bereicherung und Lehre sind bzw. sein können. Oftmals sogar noch mehr, als es die „rein“ guten Erfahrungen sein können. Es heißt ja immer so schön: „Aus Fehlern lernt man“. Wobei ich hier nicht von Fehlern sprechen möchte. Vielmehr ist es so, dass man gemerkt hat, dass das eben nichts für einen ist und das ist eine mutige und wichtige Entscheidung. Ein Fehler wäre es dann viel mehr, wenn man sich dazu zwingen würde etwas zu machen, was einem offensichtlich keinen Spaß bringt und/ oder eben nicht so liegt. Liebe Grüße Verena ❤️

  2. Liebe Verena, ich finde ein Studium abzubrechen ist gar keine Schande. Du hast gemerkt, dass es nichts für dich ist und daraus die richtige Konsequenz gezogen. Ich habe nach der Schule zunächst eine Ausbildung gemacht, das hat mir das Studium danach sehr erleichtert. Ich wusste dann schon einige Grundlagen, kannte den Beruf an sich und wusste was warum auf mich zukommt.
    Bestimmt findest du auch etwas passendes für dich 🙂
    Liebe Grüße,
    Julie
    https://juliesdresscode.de

    1. Hey Julie,
      vielen Dank, dass du deine Gedanken mit mir geteilt hast. Ich bin auch der Meinung, dass es keine Schande ist und ich stehe weiterhin zu meiner Entscheidung. Ich denke auch, dass ich etwas gefunden habe, was zu mir passt.
      Alles Liebe und Gute für dich!

      Liebe Grüße,
      Verena

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